Sport erhöht die GehirnLeistung

Gibt es einen Zusammenhang zwischen sportlicher und kognitiver Leistungsfähigkeit? Eine Studie kanadischer Forscher, welche im Spätjahr 2012 auf dem Canadian Cardiovascular Congress vorgestellt wurde, beschäftigt sich mit dieser Fragestellung und kommt zu dem Ergebnis, dass Sport nicht nur positive Auswirkungen auf die körperliche sondern auch auf die geistige Leistungfähigkeit hat („Gym-style exercise may improve not only general health in middle age, but also brain function“; http://www.medicalnewstoday.com/articles/252115.php). Einige Monate vor der Veröffentlichung dieser Studie berichteten britische Forscher der Univertität Edinburgh darüber, dass Sport besser gegen Alterung der Gehirnfunktionen schützen könnte als Freizeitbeschäftigungen und Denksportaufgaben (a new study by scientists from the University of Edinburgh in Scotland suggests exercise may protect the aging brain better than mental or leisure activity; http://www.medicalnewstoday.com/articles/251880.php).

Die Veröffentlichungen dieser Studienergebnisse haben auch im deutschsprachigen Raum zu Medienreaktionen geführt, wie die folgenden Schlagzeilen belegen:

ℵ  Sport – Positive Auswirkungen auf das Gehirn

ℵ  Sport steigert das Gehirnleistungsvermögen

ℵ  Sport ist für das Gehirn wichtiger als Denken

ℵ  Besser denken durch regelmäßigen Sport

ℵ  Sport wirkt als Mentaltraining

„Stefan Schneider erforscht am Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Deutschen Sporthochschule in Köln die positiven Auswirkungen von Bewegung auf Körper und Geist. Und damit ist er nicht allein: Dass Sport derartige Effekte hat, haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien bestätigt. So unterzogen etwa Ulmer Neurowissenschaftler um Sanna  Stroth, die mittlerweile an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf forscht, junge Erwachsene einem mehrwöchigen Ausdauer-Lauftraining. Resultat: Verbesserungen im visuell-räumlichen Gedächtnis, bei der Konzentrationsfähigkeit und der Stimmung. „Laufen macht schlau“, betitelten die Forscher ihre Studie. Und die Langzeituntersuchung „Bewegtes Alter“ an der Jacobs University Bremen ergab: Regelmäßiger Sport kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns von Senioren deutlich steigern  (Drei Fronten gegen Demenz).

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. So herrscht weitgehend Konsens darüber, dass Sport bei der Behandlung von Depressionen hilft. Und die kognitiv leistungsfördernde Wirkung körperlichen Trainings wurde durch eine Meta-Analyse im Jahr 2010 bestätigt, die knapp 30 zuvor veröffentlichte Einzelstudien zur Wirkung von Ausdauertraining in der Zusammenschau auswertete. Demnach sorgt die regelmäßige Bewegung für eine leichte Verbesserung der Aufmerksamkeit, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Erinnerung“, schreibt der Redaktion von dasgehirn.info auf ihrer website.

Synapikon greift die kanadische Studie auf: „Regelmäßiges Training macht Sie nicht nur körperlich fit, sondern hält auch Ihr Gehirn auf Trab. Doch warum ist das so? Zu diesem Thema äußerte sich eine Gruppe kanadischer Wissenschaftler, auf dem Canadien Cardiovasculaer Congress (CCC) in Toronto. Die Teilnehmer der kanadischen Pilotstudie konnten Ihre geistige Leistungsfähigkeit, durch ein regelmäßiges Intervalltraining deutlich steigern. Die Ursache dafür ist eine bessere Durchblutung des Gehirns, so legt das Experiment offen. An der Studie nahmen (zuvor) eher unsportliche und übergewichtige Menschen teil. Diese führten über 4 Monate hinweg, 2-mal wöchentlich, ein forderndes Intervalltraining durch. Das Training bestand hauptsächlich aus der Benutzung eines Trimmrades und dauerte jeweils 90 Minuten. Zu Beginn der Studie wurden die Studienteilnehmer auf folgende Punkte untersucht: Blutfluss zum Gehirn, Herzleistung, Sauerstoffgehalt im Blut.

Zudem mussten sie mehrere Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit absolvieren (u.a. auch Gedächtnisaufgaben). Während diesen Tests wurden die Teilnehmer mittels einer Nahinfrarot-Spektroskopie, welche das Gehirn durchleuchtet, untersucht. Diese hilft dabei, den Sauerstoffgehalt im Gehirn zu bestimmen.

Im Anschluss an die Untersuchungen starteten die Probanden das intensive Sportprogramm. Nach diesem 4-monatigen Training, wurden die Teilnehmer erneut auf Ihre kognitive Leistungsfähigkeit getestet. Das Ergebnis bestätigt die Annahme der Forscher, dass eine bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns auch zu einer gesteigerten geistigen Leistung führt. Die Trainierenden konnten nicht nur ihre Kondition deutlich steigern, sondern verbesserten sich auch in den kognitiven Tests signifikant. Die größten Steigerungen konnten die Personen erreichen, die die stärkste Gewichtsabnahme hatten und deren Kondition sich am meisten verbesserte.

Die Forscher empfehlen ein 150-minütiges Training pro Woche. Aber auch 10 Minuten pro Tag fördern schon Ihre mentale Fitness. Sport führt nicht nur dazu, dass Sie sich wohler fühlen, sondern fördert auch Ihre Denkleistung. Außerdem beugen Sie Herz-Kreislauferkrankungen vor, da Ihre Durchblutung gefördert wird. Wer nicht mehr in der Lage ist, ein intensives Sportprogramm zu absolvieren, der kann trotzdem etwas tun. Schon regelmäßige Spaziergänge, können den geistigen Abbau im Alter verlangsamen. Wiederum können Sie durch mentales Training auch die Leistungsfähigkeit im Sport steigern. Somit trainiert ein fitter Körper unseren Kopf, und unser Kopf unseren Körper.“

Dr. med. Matteo Rossetto, Mitglied des Medical Teams im Schweizerischen Leichtathletikverband, führt sogar in drastischer Beschreibung aus, dass weniger Schulsport mehr Probleme bedeutet: “ So erstaunt es nicht, dass sich sportlich aktive Kinder auch durch bessere schulische Leistungen auszeichnen und meist intelligenter sind als die heute leider immer häufiger auf den Schulhöfen anzutreffenden «Schlaffis». Nicht zu vergessen die soziale Komponente und der Aggressionsabbau durch Sport. Umso wichtiger ist es, Bewegung und Sport in den Kindesjahren zu fördern. Die Tendenzen gehen aber leider gerade in die umgekehrte Richtung: Sportstunden werden gestrichen, der Sportunterricht wird weder geschätzt noch benotet und schon gar nicht gefördert. Ein grosser pädagogischer Irrtum mit weit reichenden, lebenslangen Konsequenzen!“

Die oben beispielhaft aufgeführten Studien und Meinungen bestärken die Auffassung, dass Sport einen positiven Einfluss auf die mentalen Prozesse (Kognition) besitzt und die geistige Leitstungsfähigkeit steigert bzw. erhält. Offenbar war dieser Zusammenhang bereits in der Antike bekannt. Das Konzept eines Gymnasions in der Antike verbindet eben gerade körperliche und geistige Aktivitäten in ergänzender Weise. Das moderne Gymnasion ist bestrebt, das mens sana in corpore sano des römischen Satirikers Junvenal in das mens fervida in corpore lacertoso von de Coubertin zu entwickeln.

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