Wahre Sieger

Sehr gute Sportler gibt es sehr viele. Nur wenige von ihnen jedoch sind wahre Sieger. Sehr gute Sportler können gelegentlich Wettbewerbe oder Titel gewinnen. Wahre Sieger jedoch sind anders: sie gewinnen Jahr für Jahr und mehr ergattern mehr Titel als andere. Der Unterschied zwischen sehr guten Sportlern und wahre Sieger wird wohl in keiner anderen Sportart deutlicher als im Motorsport und hier in der Formel 1. Juan Montoya, Kimi Raikkonen, Keke Rosberg oder Felipe Masse wurden Titel oder Siege zuteil, wenn die Umstände günstig waren und das Auto schnell. „In einem guten Auto etwa so schnell zu sein wie Micheal ist der leichte Teil. Wesentlich schwerer ist der, in einem schlechten Auto auch nur annähernd an ihm dranzubleiben“, sagt Eddie Irvine, der ehemalige Teamkollege von Michael Schuhmacher.

The easy bit is to be as quick as Michael in a good car. Far harder is to be anywhere near him in a bad one. [Eddie Irvine]

Sebastian Vettel, Michael Schuhmacher, Mario Andretti, Alain Prost, Ayrton Senna oder Fernando Alonso sind ständige Favoriten, complete champions, die es öfters geschafft haben, sich an die Spitze zu setzen als es nicht geschafft zu haben. Diese Siegertypen unterscheiden sich nicht so sehr durch ihr Talent vom restlichen Fahrerfeld, sondern vielmehr durch ihre Fähigkeit, mit dem Team das Fahrzeug derart zu entwickeln und zu verbessern, dass es öfters schneller ist als die anderen und die Stärke des Fahrzeugs im Rennen umzusetzen.

Leider gibt es für Athleten keine „Freikugeln“, die stets treffen. Dennoch gibt es eine mit hoher Wahrscheinlichkeit eindeutige Liste von Schlüsseleigenschaften, die ein Sportler erfüllen muss, um ein wahrer Sieger – ein complete champion – zu werden. Sechs Zutaten sind notwendig – aber leider nicht hinreichend – um einen wahren Sieger zu formen: Talent, Technikverständnis, Kommunikationsfähigkeit, mentale Stärke, körperliche Fitness und Hingabe und Verlangen. Diese Zutaten müssen in einem wohl ausgewogenen Verhältnis stehen, um das Ganze zu formen. Eine auf der Spitze stehende Pyramide drückt den Balanceakt der Eigenschaften in sinnbildlich aus. Die besten Athleten sind diejenigen, welche ihre Umgebung unter Kontrolle haben, alle Eigenschaften eines wahren Siegers zu jedem Zeitpunkt aufrufbar ausbalancieren und verstehen, in einem Team zu arbeiten.

Derek Daly beschreibt in seinem Buch „Race to win“ die wesentlichen Fertigkeiten eines „complete champions“ im Motorsport und bezeichnet sie in ihrerm Zusammenspiel als „The Champion’s Balance Pyramid„. Diese Fertigkeiten lassen sich durchaus verallgemeinern und auf jede Sportart übertragen. Von all den modernen F1-Fahrern stechen fünf ganz besonders heraus: Ayrton Senna, Alain Prost, Michael Schumacher sowie Sebastian Vettel gefolgt von Fernando Alonso. Bei diesen Sportlern handelt sich jeweils um grundverschiedne Charaktere, die jedoch jeder für sich Teil der Sportgeschichte wurden: Ayrton war angetrieben von Emitionen, Alain sowie Vettel und Alonso hatten Missionen zu erfüllen. Michael hingegen war mental geprägt. Schumacher hat vielfach Leistungen gezeigt, die seine Konkurrenten zu Kleindarsteller schrumpfen ließen, ausnahmslos bei widrigen Bedingungen.

Never allow circumstances to dictate your behaviour [Derek Daly]

„Warum soll ich langsam fahren, nur weil es wie aus Eimern gießt?“, wird sich Michael Schumacher 1996 in Barcelona wohl gesagt haben, als er zeitweise im strömenden Regen sechs Sekunden schnellere Rundenzeiten fuhr als jeder andere im Feld und dies mit einer kindlich spielerischen Leichtigkeit.

Von all den wesentlichen Eigenschaften der Champion’s Pyramide ist die mentale Stärke die wichtigste. Ohne die vollständige mentale und emotionale Selbstkontrolle ist es zweifelhaft, dass der Athlet den enormen Belastungen im Wettkampf widerstehen und somit konsequente Spitzenleistungen erbringen kann. Der wahre Sieger hat sich das Mantra eingebrannt:

What the mind perceives, the body achieves [Derek Daly]

Siegen beginnt im Kopf …..


Quelle:
Derek Daly, Race to Win, second edition, 2013, Octane Press

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